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Annette Kelm | Camera Austria 102/2008

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Magazine Camera Austria 102/2008 

Jens Asthoff
[…] Die Art, wie […] aus Beiläufigkeit heraus Eindringlichkeit entsteht, ist charakteristisch für Kelms Fotografie. Sie verknüpft dies mit verschiedenen Stilen und Genres, entfaltet Bildthemen oft in Anlehnung an Stillleben und Porträt sowie Objekt-, Architektur- und Landschaftsfotografie, greift auch Bildsprachen der Werbung auf. Indem Kelm Repräsentationsformen des Fotografischen auslotet, verschiebt sie auch deren Koordinaten und führt subtile Bedeutungsambivalenzen in die Darstellung ein. Das geschieht auf denkbar unpathetische Weise, mit einfachen Mitteln und klarer Formensprache. In Kelms Bildern gibt es keine Überhöhung, keine Symbolismen, kein Geheimnis. Auch Formen von Inszenierung, die sie durchaus häufig nutzt, kommen stets offensichtlich zum Einsatz. Doch die Sachlichkeit, an der Annette Kelm arbeitet, ist nicht gleichbedeutend mit Eindeutigkeit: Alles, was das Bild ausmacht, ist mit dem Bild auch da, aber in einer Weise, bei der spezifische Vagheit und selbst Auslassungen noch mitformuliert zu sein scheinen. Diese Fotos schweigen an den richtigen Stellen, legen alles offen, und doch ist oft nicht so recht einzuordnen, was man sieht. Dabei verhandelt Kelm die Ambivalenz und gerichtete Offenheit ihrer Bilder stets als Frage des Sehens, nicht des Wissens. Es mag hilfreich sein, einen Titel zu kennen oder den abgebildeten Ort, aber es nicht zu wissen macht den Zugang nie unmöglich. Viele ihrer Werke sind ohnehin “untitled“, und wenn es Titel gibt, erfährt man dadurch kaum etwas zum “Wo” und “Was” des Abgebildeten. Eher fügen sie der Darstellung zusätzliche literarisch-bildhafte Kontexte hinzu und ändern so quasi das Licht, in dem ein Gegenstand erscheint. Wie bei “To a Snail”: Kelm zitiert hier den Titel eines Gedichts der amerikanischen Lyrikerin Marianne Moore. Doch das zu wissen ist womöglich weniger wichtig als die Irritation, die der Titel ins Bild einschleust, während die Widmung “An eine Schnecke” vielleicht einen anderen Wahrnehmungshorizont assoziiert, der sich mit dem ins Dunkel gehüllten, merkwürdig begrenzten Blick aufs offene Meer verknüpft. Bedeutung drängt sich hier nie auf, Verschlüsselung oder versteckte Sinnfälligkeit aber sind Kelms Bildsprache grundsätzlich fremd. Alles liegt offen, doch es gibt keine Auflösung für das, was man sieht.
Textbeitrag in Camera Austria International 102/2008, S. 11–24.

Herausgeber, Verleger und für den Inhalt verantwortlich: Manfred Willmann. Eigentümer: Verein CAMERA AUSTRIA, Labor für Fotografie und Theorie
Alle: Lendkai 1, A-8020 Graz

Redaktion Graz: Christine Frisinghelli, Sabine Spilles
Assistenz: Eva Meran, Heidi OswaldRedaktion Berlin: Maren Lübbke-Tidow

Lektorat: Marie Röbl
Übersetzungen: John Doherty, Don Mader, Wilfried Prantner, Richard Watts

Sprache: Deutsch